VGR Schätzrechnung Bruttoinlandsprodukt 2023

Wirtschaftsleistung 2023 gestiegen

14.03.2025 - Gemäss ersten Berechnungen des Amtes für Statistik lag das Bruttoinlandsprodukt Liechtensteins zu laufenden Preisen im Jahr 2023 um 5.7 % höher als im Vorjahr und ist damit nach einem Rückgang im Jahr 2022 (-2.6 %) wieder gewachsen.

Bankensektor profitiert von Zinswende

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Liechtensteins belief sich für das Jahr 2023 auf CHF 7 445 Mio. Gegenüber dem Vorjahr stieg das nominale BIP um 5.7%. Dieser Anstieg folgt auf einen BIP-Rückgang von -2.6% im Jahr 2022. Zum Wachstum im Jahr 2023 trugen insbesondere die Banken bei. Mit der von der Schweizerischen Nationalbank 2022 eingeleiteten Zinswende drehten die Leitzinsen erstmals seit Ende 2014 wieder in den positiven Bereich. Die Banken holten den Margenrückgang im Zinsgeschäft der letzten Jahre im Jahr 2023 wieder auf, was sich in der Wertschöpfung niederschlug. Auch die liechtensteinische Exportindustrie trug 2023 wesentlich zum BIP-Wachstum bei. Dies spiegelt sich auch in der Warenhandelsbilanz wider. Der Überschuss in der liechtensteinischen Warenhandelsbilanz (ohne Handel mit der Schweiz) ist gegenüber 2022 um 11.5% gestiegen.

Das Bruttoinlandsprodukt dient als Mass für die Produktionsleistung einer Volkswirtschaft. Das BIP umfasst im Wesentlichen die in Geld ausgedrückte Wertschöpfung, die durch die Produktionstätigkeit der gebietsansässigen Einheiten während eines Jahres entstanden ist.

Methodik der Schätzrechnung

Kurzbeschrieb

Die BIP-Schätzrechnung stützt sich im Wesentlichen auf die Daten der Steuerverwaltung zu den steuerpflichtigen Unternehmen, soweit diese zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegen, sowie auf die Rechnungsergebnisse der Einheiten im Sektor Staat (Land, Gemeinden, Sozialversicherungen) und der Versicherungen. Der BIP-Beitrag der steuerpflichtigen Unternehmen, die von der Steuerverwaltung noch nicht erfasst wurden, wird auf der Basis der Vorjahresergebnisse hochgerechnet. Zum Zeitpunkt der Schätzrechnung fehlen auch noch die Rechnungsergebnisse einiger grosser Unternehmen.

Der Wertschöpfungsbeitrag der steuerpflichtigen Unternehmen zum BIP liegt bei rund 75% bis 80%, während der Sektor Staat einen Beitrag zwischen 7% und 8% der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung abdeckt. Die Versicherungen tragen zwischen 1% und 4% zur Wertschöpfung bei. Insgesamt sind damit bereits Basisdaten zu mehr als 90% des BIP in die Schätzrechnung eingeflossen. Die restlichen 7% bis 9% der Wertschöpfung entfallen auf die Landwirtschaft, die privaten Haushalte und die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck. Für diese Einheiten werden die Vorjahresergebnisse verwendet, sofern nicht bereits aktuelle Ergebnisse vorliegen.

Datensituation

Die verschiedenen Basisdaten für die Berechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) stehen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zur Verfügung. Die Angaben zum Sektor Staat liegen acht Monate nach Abschluss des Berichtsjahres vollständig vor und können deshalb bereits für die Schätzrechnung im Kontensystem erfasst werden. Anders verhält es sich mit den Daten der steuerpflichtigen Unternehmen. Diese müssen ihre Steuererklärungen innert sechs Monaten nach Bilanzstichtag bei der Steuerverwaltung einreichen. In begründeten Fällen gewährt die Steuerverwaltung Fristverlängerungen von bis zu sechs Monaten. Somit kann die Steuerverwaltung frühestens nach einem Jahr erste vorläufige Daten für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung bereitstellen. Zum Zeitpunkt der BIP-Schätzrechnung liegen in der Regel die Ergebnisse der 25 grössten steuerpflichtigen Unternehmen überprüft vor. Diese 25 grossen Unternehmen erwirtschaften mehr als 40% der Wertschöpfung der steuerpflichtigen Unternehmen. Die Daten der zum Zeitpunkt der Schätzrechnung vorliegenden Unternehmen fliessen vollständig in die Schätzrechnung ein. Die Ergebnisse der übrigen noch nicht erfassten Unternehmen werden mittels eines Hochrechnungsfaktors auf der Basis der Vorjahresergebnisse geschätzt.

Genauigkeit

Bei der BIP-Schätzung wurde aufgrund der durchgeführten Testrechnungen von einer Genauigkeit von +/– 3% ausgegangen. Die erste BIP-Schätzrechnung wurde für das Berichtsjahr 2007 durchgeführt. Für die BIP-Schätzrechnung 2010 wurde die Methode für das Berechnungsverfahren verfeinert und die Datenerfassung für den Versicherungsbereich ausgebaut. Die BIP-Schätzung 2022 lag -0.2% unter dem provisorischen BIP der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2022.